Neue Möglichkeiten für die Oberflächen-Härtung von rostfreien Stählen
| Newskategorie : Kolumne |
Wie kann man das Verschleißverhalten von rostfreien Stählen verbessern unter
gleichzeitiger Beibehaltung des guten Korrosionsverhaltens?
Dank der der Plasma-Technologie kann diese häufig auftretende Frage nachfolgend
positiv beantwortet werden.

Durch Variation der Temperatur kann man unterschiedliche metallurgische Gefüge erhalten:
| 1) |
Unter den bekannten konventionellen Plasma-Nitrierbedingungen bei Temperaturen zwischen 460 – 600 °C erfolgt der Härtungs-Mechanismus auf Grund der Ausscheidung von Chrom-Nitriden, was zur Abnahme von Chrom im Austenit führt und wodurch das Material seinen rostfreien Charakter verliert. (Oberflächen-Härte > 1000 HV; Härte-Tiefe bis zu 0,4 mm) |
|
| 2) | Bei niedrigen Temperaturen – unterhalb von 460 °C – erfolgt der Härtungs-Mechanismus durch Druckspannungen indem in das Austenit N und C eingelagert werden (Oberflächen-Härte > 1000 HV). Chrom-Nitiride Ausscheidungen werden vermieden und der Korrosionswiderstand bleibt gut. Mit ungefähr 10 bis 40 Mikrometer bleibt die Schichtdicke dünn. |
|
| 3) |
Für einige Anwendungen benötigt man höhere Schichtdicken. Aus diesem Grund wurden Plasma-Nitirier- und Niederdruck-Aufkohlungsverfahren mit höheren Temperaturen über 900 °C entwickelt. Bei austenitischen rostfreien Stählen erfolgt der Härtungs-Mechanismus durch feine und homogene verteilte Karbid-Ausscheidungen (Oberflächen-Härte 700 HV und Schichtdicken bis zu 0,4 mm). Das Nicht- Magnetische- und das Korrosions-Verhalten bleiben gut. |
|
Die wesentlichen metallurgischen Ergebnisse bei niedriger Temperatur mit Kohlenstoff und/oder Stickstoff lassen sich wie folgt beschreiben:
Bei Verwendung von Kohlenstoff erhalten wir eine reine Lösung des Kohlenstoffs im Austenit, genannt C „ S-Phase“ Bild 1

Bild 1
Bei gleichzeitiger Verwendung von Kohlenstoff und Stickstoff wird eine Lösung von Kohlenstoff und Stickstoff erreicht, genannt C+N „S-Phase“ Bild 2. Die typische Verteilung von Kohlenstoff und Stickstoff in der Verbindungsschicht ist in Bild 3 gezeigt. Kohlenstoff hat ein spezielles Profil mit zwei Spitzenwerten – einer direkt unter der Oberfläche und einer in der Verbindungsschicht.
|
|
Bild 3 |
|
Der Verschleißwert für gelösten Stickstoff und
Stickstoff+Kohlenstoff ist besser als der Faktor 700 und bei Lösung von
Kohlenstoff liegt der Faktor bei 70.
|
|
| VERFAHREN |
RESULTAT |
MATERIAL |
|
| Stickstoff „S-Phase“ Temp.< 420 °C | beste Verbesserung des Verschleiß- Reibungsverhaltens; geringer Verlust des Korrosionswiderstandes Schichtdicke 5-35 mikrometer |
austenitische und martensitische rostfreie Stähle |
|
| Kohlenstoff „S-Phase“ Temp.<450 °C |
höchster Korrosionswiderstand guter Reibungs-und Verschleißwiderstand etwas niedriger als N „S-Phase“ Schichtdicke 5-40 mikrometer |
nur austenitische rostfreie Stähle |
|
| Kohlenstoff und Stickstoff „S-Phase“ Temp. < 420 °C |
bester Kompromiss zwischen Verschleiß- und Korrosionswiderstand; Schichtdicke 5-40 mikrometer |
austenitische und martensitische rostfreie Stähle |
|
| Plasma- Nitrieren 460°C<600°C |
guter Verschleißwiderstand; Verlust von Korrosionswiderstand Schichtdicke 20-300 mikrometer | austenitische und martensitische rostfreie Stähle |
|
| Plasma-Aufkohlen oder Niederdruck- Aufkohlen Temp.>900°C |
verbesserter Verschleißwiderstand guter Korrosionswiderstand Schichtdicke 100-800 mikrometer Verzugsrisiken | austenitische und martensitische rostfreie Stähle |
|
|
Bild 4
|
||
| 1) |
Um eine optimale Verbesserung bei Verschleiß und Reibung zu erzielen, eignet sich die Stickstoff“S-Phase“, die die besten Resultate bringt unter Berücksichtigung eines leicht abnehmenden Korrosionswiderstandes an der äußersten Oberfläche. |
|
| 2) | Um das beste Korrosionsverhalten zu erreichen, eignet sich am besten die Behandlung mit der Kohlenstoff „S Phase“; dies gilt aber nur für austenitische rostfreie Stähle mit dem Nachteil, daß der Verschleißwiderstand geringer ist als bei der Behandlung mit Stickstoff „S Phase“. |
|
| 3) |
Den besten Kompromiss bezüglich Verschleißwiderstand und Korrosionsverhalten erreicht man durch die Kohlenstoff und Stickstoff „S Phase“ sowohl für austenitische als auch martensitische rostfreie Stähle. |
|
| 4) |
Die Schichtdicke der verschiedenen „S Phasen“ liegt zwischen 5 und 40 mikrometer. Um dickere Schichten zu erreichen, kann das konventionelle Plasma-Nitrieren in Verbindung mit lokalen Behandlungen zum Einsatz kommen (Dicken bis zu 300 mikrometer); der Korrosionswiderstand nimmt leicht ab, aber nur bei den behandelten Bereichen. |
|
| 5) |
Um hohe Schichtdicken und einen hohen Korrosionswiderstand überall zu erreichen, besteht die einzige Lösung in einer Hochtemperatur-Aufkohlung der martensitischen und austenitischen rostfreien Stähle. Die erreichbaren Schichtdicken liegen im Bereich von 100 bis 800 mikrometer. Aber auf Grund der hohen Temperaturen (900 bis 1100 °C) muß das Verzugsrisiko beachtet werden. |
|
Anwendungsbereiche:
Die möglichen Abmessung der Teile, die nach diesem Verfahren zu behandeln sind, haben eine Länge von 1 mm bis 6 m, einen Durchmesser von 1mm bis 2,5 m und ein Gewicht von 1 g bis 6t.
Die Verfahren werden eingesetzt zur Wärmebehandlung in der Nuklear-, Chemie- und Lebensmittel-Industrie, in der Bio-Chemischen-Industrie (Implantate, medizinische Instrumente) sowie für die Flugzeug- und Raumfahrt- Industrie insbesondere Ventile und Komponenten.
Autor: Dr.-Ing. Jean-Paul Lebrun




